Jugendgewalt

JugendgewaltManche Jugendliche wenden Gewalt an, weil sie es nicht anders kennengelernt haben. Sie schlagen zu aus Unwissen und Hilflosigkeit.“ Alexander N.

In diesem Baustein wird das Phänomen Jugendgewalt diskutiert. Zentrale Fragen sind dabei: was ist Jugendgewalt, wie weit ist sie verbreitet, welche Ursachen für Jugendgewalt sind bekannt und welche Gegenstrategien sind erfolgversprechend?

Dabei werden Jugendliche nicht nur als Täter, sondern auch als Opfer gesehen.

Jugendgewalt ist von Jugendlichen ausgeübte Gewalt. Im strafrechtlichen Sinne fallen die Täter dabei unter das Jugendstrafrecht, sind also zwischen 14 und 18 Jahre bzw. 21 Jahre alt. Psychologisch bzw. soziologisch wird die Jugendphase weiter gefasst, nämlich zwischen Pubertät und abgeschlossener sozialer Reifung.

Jugendgewalt ist ein unspezifischer Sammelbegriff für viele verschiedene jugendspezifische Deliktformen, wobei in der öffentlichen Wahrnehmung die körperliche Gewalt dominiert. Hierzu gehören verbale Attacken, Sachbeschädigungen, Mobbing, Erpressungen, Raufereien, Körperverletzungen ebenso wie ausländerfeindliche übergriffe, die in der Regel von Cliquen und Gruppen oder in deren Kontext ausgeübt werden. Gewalt bei Sportereignissen durch Hooligans und Ultras wird ebenso dazu gezählt wie Auseinandersetzungen zwischen Straßenbanden oder Straßenschlachten mit der Polizei an Maifeiertagen oder politischen Großereignissen. Jugendgewalt hat also viele Gesichter und muss sehr differenziert gesehen werden. Abzugrenzen ist Jugendgewalt von Jugendkriminalität.

Der öffentliche Diskurs über Jugendgewalt wird von der Behaup­tung (und Befürchtung) bestimmt, dass diese immer stärker zunehme und zudem immer brutaler werde. Die immer gleichen Formulierungen sind bereits Anfang der 1970er Jahre nachzulesen. Dieses Bild entspricht jedoch nicht den Ergebnissen der krimino­logischen Forschung. Zwei Datengrundlagen stehen bei der Ein- schätzung von Jugendgewalt in Konkurrenz: Die Polizeiliche Kriminalstatistik und die Ergebnisse der kriminologischen Forschung, die auf Dunkelfeldstudien basieren.

Jugendliche werden in erheblich höherem Maße Opfer von Gewalt, als dass sie Täter sind. Untersuchungen zeigen seit langem, dass dies in doppelter Hinsicht geschieht, im häuslichen Bereich durch die Eltern und im öffentlichen Bereich durch andere Jugendliche. „Während die Täterraten für Gewaltdelikte im Jahr 2000 bei 15,7% lagen, wurden mehr als 30% der Jugendlichen innerhalb des gleichen Referenzzeitraumes Opfer elterlicher Gewalt. Diese Art von Gewalt wird offiziell so gut wie gar nicht bekannt“ (Brettfeld/ Wetzels, 2003, S. 111 f.). Gleichzeitig war etwa ein Viertel der Jugendlichen Opfer von Gewaltdelikten (u.a. Raub, Erpressung, Körperverletzung), die zu über 80 Prozent durch Gruppen oder aus Gruppen heraus verübt wurden.

Jugend ist heute eine lang gestreckte Lebensphase, die durchschnittlich etwa 15 Jahren dauert. Sie beginnt so früh wie noch nie und besitzt kein klar markiertes Ende. Es ist für Jugendliche unklar, ob sie in den gewünschten Beruf hineinkommen und ob sie eine traditionelle Familie gründen. Dadurch ist eine große Offenheit entstanden mit vielen Ungewissheiten (vgl. Hurrelmann 2005). Jugendliche müssen so in einer immer undurchschaubarer gewordenen Welt ihren Platz finden, ohne selbst über die notwendigen Steuerungs- und Orientierungsmöglichkeiten zu verfügen, ohne Vorbilder und ohne wirkliche Chance, aus ihrem Milieu herauszukommen.

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