Jugendgewalt

Jugendliche als Opfer

Jugendliche werden in erheblich höherem Maße Opfer von Gewalt, als dass sie Täter sind. Untersuchungen zeigen seit langem, dass dies in doppelter Hinsicht geschieht, im häuslichen Bereich durch die Eltern und im öffentlichen Bereich durch andere Jugendliche. „Während die Täterraten für Gewaltdelikte im Jahr 2000 bei 15,7% lagen, wurden mehr als 30% der Jugendlichen innerhalb des gleichen Referenzzeitraumes Opfer elterlicher Gewalt. Diese Art von Gewalt wird offiziell so gut wie gar nicht bekannt“ (Brettfeld/ Wetzels, 2003, S. 111 f.). Gleichzeitig war etwa ein Viertel der Jugendlichen Opfer von Gewaltdelikten (u.a. Raub, Erpressung, Körperverletzung), die zu über 80 Prozent durch Gruppen oder aus Gruppen heraus verübt wurden.

Jugendliche sind oft beides, Opfer und Täter. Während bei den Mädchen von allen Opfern ca. 20% selbst eine Gewalttat verübt haben, ist der Anteil bei den Jungen mit über 40 % doppelt so hoch (Baier/Pfeiffer 2009, S. 67).

Eine weitere Opferdimension darf jedoch nicht übersehen werden: Jeder Vierte zwischen 16 und 24 Jahren lebt heute in Armut oder wird von Armut bedroht. Bundesweit sind dies mehr als 2,4 Millio- nen Jugendliche (vgl. zdfheute.de, 14.6.2008). 20% der Jugendlichen, so Inge Kloepfer (2009) würden zu den Perspektivlosen gehören. Diese Kinder und Jugendlichen wachsen in sozial schwachen Schichten auf, ohne die Chance zu haben, jemals herauszukommen.

Jugend darf jedoch – gerade auch in der Pubertät – nicht nur unter dem Aspekt von Gefährdung und Delinquenz gesehen werden, sondern stellt auch ein positives Potenzial für die Gemeinschaft und Gesellschaft dar, das Veränderungen anmahnt und auf Probleme aufmerksam macht.
Peter Imbusch: Jugendgewalt in Entwicklungsländern. Eschborn 2008.

Öffentliche Diskurse um Jugendgewalt
Die öffentlichen Diskurse in den Medien und Politik sind weitgehend geprägt von:

  • Zuspitzung und Skandalisierung: Immer stärkere Zunahme, immer brutalere Taten, immer jüngere Täter.
  • Vermischung von Jugendkriminalität und Jugendgewalt.
  • Schuldzuweisungen an die Eltern (Versagen in der Erziehung) und Medien (gewalthaltige Computerspiele).
  • Forderung nach Null-Toleranz und härteren Strafen.
  • überbetonung und übertreibung des Anteils ausländischer Jugendlicher an Gewalttaten.
  • Ausschließliche Betrachtung Jugendlicher als Täter, nicht als Opfer von Gewalt.
  • Nichtberücksichtigung der Ergebnisse der kriminologischen Forschung und der Jugendforschung.

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