Familie und Kommune

Umsetzung

Familie, Schule und Kommune müssen zusammenarbeiten, wenn Gewaltprävention gelingen soll. Gerade der Familie, als primärer Sozialisationsinstanz kommt dabei besondere Bedeutung zu. Eltern in schulische Prozesse einzubeziehen und sie gleichzeitig auch in vielfältiger Weise zu unterstützen ist dabei wichtig. Die afrikanische Weißheit „Es bedarf eines ganzes Dorfes um ein Kind großzuziehen“ verdeutlicht die Bedeutung des kommunalen Umfeldes. Eine gewaltpräventive Schule muss mit kommunalen Einrichtungen kooperieren, sich im Gemeinwesen verankern und die Ressourcen des Gemeinwesens nutzen. Dieser Herausforderung sollte nicht als zusätzliche Belastung gesehen werden, sondern als Chance der gegenseitigen Hilfe und Bereicherung.

Für Lehrkräfte und Eltern

  • Gewalt in der Familie identifizieren: Familien sind häufig mit der Fülle der zu bewältigenden Anforderungen überfordert. Häusliche Gewalt ist oft ein Ausdruck dieser überforderung. M1 identifiziert Gründe und führt an, warum Gewalt in der Erziehung kein Platz haben darf. Die Risikofaktoren, die unter bestimmten Bedingungen zu Gewalt führen können, hat der Berufsverband der ärzte für Kinderheilkunde zusammengestellt (M2). Sie zu kennen und mit „Warnzeichen für Beziehungsgewalt“ zu kombi­nieren (M3) erleichtert problematische Entwicklungen frühzeitig wahrzunehmen.

  • Erziehungskompetenzen von Eltern unterstützen: Klaus A. Schneewind hat zwölf Erziehungstipps für Eltern von Jugendlichen formuliert, die eine klare Orientierung ermöglichen. Diese Tipps zugänglich zu machen, zu diskutieren und anzuwenden sind ein erster Schritt, um die Erziehungskompetenz von Eltern zu stärken. Weitere Schritte können (von der Schule angebotene) Elternseminare sein. Das Problem, dass ein Zugang zu besonders betroffenen Elternteilen oft nur schwer zu erreichen ist, muss dabei berücksichtigt werden.

  • Kooperation der Schule: Gewaltprävention kann letztlich nur im Verbund verschiedener Ansätze und Träger gelingen. Dies setzt Kooperation mit anderen Einrichtungen voraus. M5 ermöglicht einen Check, welche Kooperationen bereits bestehen und wel­che noch anzustreben wären. Prävention im Team (M6) ist ein Programm in Hessen, das die Kooperation von Schule, Polizei und Jugendhilfe als Grundlage des Handelns hat.

  • Essentials kommunaler Gewaltprävention: Die Landeskommission Berlin gegen Gewalt hat in 11 Essentials die zentralen Punkte des Vorgehens bei kommunaler Gewaltprävention formuliert. Diese können als Grundlage für die weitere Diskussion und Entwicklung dienen.

Für den Unterricht

  • Handlungsmöglichkeiten bei häuslicher Gewalt: Es ist davon auszugehen, dass in jeder Schulklasse oder Gruppe ein oder mehrere Jugendliche Erfahrungen mit häuslicher Gewalt als Opfer oder Zuschauer haben. Jugendliche berichten vor allem anderen Jugendlichen (Freunden) von ihren Problemen. Mit Hilfe von M8 können erste Schritte kennengelernt werden, die Jugendliche unternehmen können, um professionelle Hilfe zu aktivieren.

  • Problemfelder kommunaler Gewalt: Kommunale Gewaltprävention ist komplex, da hier unterschiedliche Problemfelder aufeinanderprallen. Die Dimensionen von Gewalt in der Stadt verdeutlicht M9. M10 benennt Problemfelder, die von verschiedenen Gruppen und Bevölkerungsschichten unterschiedlich gesehen und bewertet werden. Wie schätzen Jugendliche diese Problemfelder ein, wie (vermutet, oder als Umfrage erhoben) Ladenbesitzer, Anwohner (mit und ohne Kinder) oder Touristen? Mit Hilfe der Erstellung einer kleinräumigen Quartierkarte (M11) lassen sich konkrete Gewaltereignisse und Gewalterfahrungen von Jugendlichen (und Erwachsenen) genau lokalisieren und evtl. sogar Zusammenhänge rekonstruieren.

  • Lösungen finden: Exemplarisch soll ein (authentischer Vorfall), der sich in einer Wohnsiedlung in Frankfurt ereignete, bearbeitet werden (M12, M13). In Form eines Runden Tisches wird (in verteilten Rollen) mit Hilfe eines Moderatorenteams nach Lösungen gesucht.

Inklusion fördern Wenn die Chancen und Lebensgestaltungsmöglichkeiten ein bestimmtes Maßan Ungleichheit erreichen, führt das zur Exklusion. Bei Nichtbeteiligten am Erwerbsleben kann das dazu führen, dass sich dieser Mensch aus dem sozialen Leben zurückzieht. Exklusion verhindern, Inklusion unterstützen, das ist die Aufgabe.
Julian Nida-Rümelin in Frankfurter Rundschau, 25.4.2008, S. 11.

Gewaltprävention in der Familie und Kommune

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