Konstruktive Konfliktbearbeitung

Stärkung der Konfliktfähigkeit

Konfliktfähigkeit im Sinne von „angemessen im Konfliktgeschehen agieren und reagieren“ zu können und damit konstruktive Lösungen anzustreben, lässt sich erlernen. Sie stellt eine spezifische Kompetenz dar, die über den Bereich des üblichen sozialen Lernens hinausgeht (vgl. Gugel 2006, S. 121 f.).

Die im Nahbereich notwendigen Kompetenzen für Konfliktfähigkeit lassen sich in fünf Bereiche aufgliedern: (1) kommunikative Kompetenzen, (2) kooperative Kompetenzen, (3) Deeskalations-Kompetenzen, (4) Verfahrens-Kompetenzen und (5) Konfrontations-Kompetenzen.

  • Kommunikative Kompetenzen umfassen u.a. die Verbesserung der Selbst- und Fremdwahrnehmung; den Umgang mit den eigenen und mit fremden Emotionen; die Entwicklung von Einfühlungsvermögen; das Erkennen und Formulieren eigener und fremder Interessen, aber auch Kenntnisse der Gewaltfreien Kommunikation.
  • Kooperative Kompetenzen beziehen sich auf gelingende Zusammenarbeit. Sozialpsychologische Untersuchungen haben gezeigt, dass kooperatives Verhalten in Konfliktsituationen u.a. von der Geschichte der Interaktion der Konfliktpartner und der Intensität der Kommunikation abhängt, wobei sich eine größere Kommunikationsdichte eindeutig positiv auf kooperatives Verhalten auswirkt. Hierbei spielt die Anzahl der beteiligten Personen eine wichtige Rolle. Kooperationsstiftende Elemente sind überdies anerkannte Regeln der Fairness, da sie das Risiko einer Kon­flikteskalation abmildern.
  • Zu den Deeskalations-Kompetenzen gehören u.a. neutrales Sprachverhalten, nicht provozierende Körpersprache, Wissen um provozierende und eskalierende Elemente, um diese bewusst vermeiden zu können.
  • Verfahrens-Kompetenzen umfassen Kenntnisse über Möglichkeiten, Zuständigkeiten und Zugangsweisen von Unterstützungs- und Hilfesystemen bei Auseinandersetzungen z.B. Gerichte, Schiedsverfahren, Mediationsverfahren, Menschenrechtskonventionen usw.
  • Konfrontations-Kompetenzen beinhalten Strategien der angemessenen Selbstbehauptung, Aspekte von zivilcouragiertem Handeln und Wissen um Möglichkeiten der gewaltfreien Interessensdurchsetzung.

Die Stärkung der individuellen Konfliktfähigkeit durch Erlernen und Einüben dieser Kompetenzen sollte im Alltag, in der Familie und Schule geschehen und unterstützend in spezifischen Kursangeboten und Trainings in den Grundzügen vermittelt werden. Konfliktfähig­keit sollte selbstverständlicher Teil jedes professionellen Handelns sein und dementsprechend in den jeweiligen Ausbildungsgängen verankert werden.

Ethnische Konflikte Ein wichtiger Ansatzpunkt kann es sein, bereits den Anfängen zu wehren. So kann etwa ein ethnischer Konflikt damit anfangen, dass man Angehörige anderer Ethnien nicht mehr grüßt, und sei es nur, weil man Angst hat, von Nachbarn dabei gesehen zu werden. Solche Ansätze bekommen leicht eine Eigendynamik, die zu einer unheilvollen Eskalation führen kann: Der Nachbar wird zunehmend als fremd, dann als feindlich, dann als bedrohlich erlebt, bis man ihn dann vorsorglich bekämpft und umbringt. Wir sollten frühzeitig, eh es zu spät ist, auf die Produktion von Feindbildern reagieren, und wir sollten „Andersdenkende“, Kritiker, Ketzer und „Konterrevolutionäre“ schützen, solange sie nicht mit Gewalt ihre Ideen durch­setzen wollen. Denn sie sind ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft.
Manfred Sader: Destruktive Gewalt. Möglichkeiten und Grenzen ihrer Verminderung. Weinheim und Basel 2007,S. 62.

Konfliktfähigkeit von Schülern

Orientierungen

  1. Beachte, dass es um die gemeinsame Lösung eines Problems und nicht um Sieg oder Niederlage geht.
  2. Orientiere dich an Interessen und nicht an Positionen.
  3. Unterscheide zwischen den Menschen und dem Problem (die Sachen klären, die Personen achten – wie Hartmut von Hentig es ausdrückt).
  4. Achte darauf, die Gefühle der Betroffenen nicht zu verletzen.
  5. Berücksichtige bei Lösungsvorschlägen die Grundbedürfnisse (u.a. Sicherheit, Freiheit, Identität) der Konfliktparteien.
  6. Handle stets so, dass sich deine Handlungsoptionen nicht verringern, sondern vergrößern (darauf weist Johan Galtung besonders hin).
  7. Mute der anderen Konfliktpartei keinen Gesichtsverlust zu.
  8. Greife nur auf Mittel zurück, die mit dem Ziel, das du erreichen willst, zu vereinbaren sind.
  9. Achte darauf, dass das Ergebnis auch ethischen Kriterien entspricht und allgemein verbindlichen Kriterien genügt!

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