Problembereiche

Evidenzbasierung als Grundlage für eine bessere Praxis von Prävention zielt zunächst darauf ab, mehr Informationen über die Wirkung einzelner Maßnahmen und Programme zu erhalten und diese wiederum in praktischer Arbeit einfließen zu lassen.

Da Wirkungsstudien sich an strengen wissenschaftlichen Kriterien messen lassen müssen, kommen nur Kontrollgruppendesigns mit mehreren Messzeitpunkten in Frage. Kritiker der Evidenzbasierung weisen auf grundlegende Probleme von standardisierten Programmen hin: Standardisierte Programme sind für standardisierte Situationen konzipiert und entfalten dort ihre Wirkung. Solche Situationen sind in der pädagogischen Praxis aber kaum zu finden.

Verhalten von Kindern ist immer überdeterminiert. Es beruht also auf einer Vielfalt von Einflüssen, die nicht gänzlich kontrolliert und ausgeschlossen werden können.

Die Wirkung von Programmen ist oft von der Beziehungsgestaltung bestimmt. Die erzielte Wirkung kommt dann weniger durch das Pro-gramm als durch die Person, die das Programm vermittelt, zustande (vgl. Ziegler 2012, S. 17 ff.).

Nicht nur die Inhalte
„Auch wenn Programme erwünschte Wirkungen zeigen – kann man dies nicht einfach generalisieren. Denn ein wesentlicher Befund der Präventionsforschung lautet, dass auch ähnliche oder gar identische Programme nicht immer einheitliche Ergebnisse zeitigen. (...) Die Effekte hängen nicht nur von den Inhalten der Programme ab, sondern auch von zahlreichen anderen Faktoren. Dazu gehören die Qualität der Implementierung, das Klima in der jeweiligen Institution, Charakteristika der Zielgruppen, die Größe der Stichprobe. (Lösel 2012, S. 11)

Trotz aller Fortschritte in der Präventionsforschung und der Identifizierung von Kriterien erfolgreicher Programme stellen Daniel Eisner u.a. (2009, S. 10) drei wichtige Problembereiche fest:

  • Es gebe nur wenige Evaluationsstudien außerhalb der USA: In Europa und besonders im deutschsprachigen Raum würden noch enorme Lücken bestehen. Das sei problematisch, weil nur wenig darüber bekannt sei, wie gut Präventionsprogramme über Kulturen und Gesellschaften hinweg übertragbar seien.

  • Mangel an großen Feldstudien: Viele Evaluationen zur Wirksamkeit von Gewaltprävention seien im Rahmen von Modellprojekten mit einer vergleichsweise kleinen Teilnehmerzahl durchgeführt worden. Solche Studien seien zwar wichtig, weil sie erste Belege für den praktischen Nutzen einer Maßnahme liefern würden. Deutlich weniger sei jedoch darüber bekannt, wie gut sich Maßnahmen bewähren würden, wenn sie in großem Umfang in der Praxis umgesetzt würden.

  • Begrenztes Wissen über langfristige Wirkungen: Viele Studien würden sich darauf beschränken, kurzfristige Effekte unmittelbar nach einer Intervention zu untersuchen. Für die Praxis sei es aber meistens wichtig zu wissen, ob Maßnahmen auch über Monate oder Jahre hinweg Wirkungen erzielen würden. Weil jedoch solche Studien einen großen organisatorischen und finanziellen Aufwand erfordern würden, würden sie nur selten realisiert. Daher müsse der Forschungsstand über die langfristige Wirksamkeit von Maßnahmen gegenwärtig als lückenhaft eingestuft werden.

Präventionsprogramme für Kindergarten und Vorschule

Eine strikte Evidenzbasierung, die ausschließlich auf standardisierte Programme setzt, bringt also auch Probleme mit sich. Die geforderten hohen fachlichen Standards können in der Forschungspraxis oft nicht umgesetzt werden. Evaluierte, erprobte Programme stehen für eine vielgestaltige Praxis nicht oder nur unzureichend zur Verfügung. Denn ein Merkmal der pädagogischen Praxis ist nicht die Standardisierung, sondern die Lebensweltorientierung, verbunden mit methodischer Vielfalt und flexiblen Reaktionen auf sich ändernde Situationen. Aushandlungs- und Beteiligungsprozesse sind für die Arbeit mit Kindern konstitutiv (vgl. Arbeitsstelle Kinder¬ und Jugendkriminalitätsprävention o.J.).

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