Interkulturelles Lernen

Umsetzung

Das Bildungswesen in einer Einwanderungsgesellschaft, so Georg Auernheimer (o.J.), muss nach den Prinzipien gestaltet werden, nach denen eine multikulturelle Gesellschaft verfasst sein sollte. Es geht um Gleichheit der Rechte und Sozialchancen und um die Anerkennung von Andersheit, konkret um die Anerkennung von Lebensformen, kulturellen Symbolen etc., die für andere Identitätsentwürfe bedeutsam sind. Diese Prinzipien haben strukturelle und curriculare Konsequenzen.

Immer geht es darum, Abwertungen, Diskriminierungen und Fremdenfeindlichkeit zu bekämpfen, neue Wahrnehmungen zuzulassen und Perspektivenwechsel zu ermöglichen. Dies erfolgt ebenso im Schulalltag, wie bei inszenierten Begegnungen (Schüleraustausch, Auslandsaufenthalte). Voraussetzung für interkulturelles Lernen ist ein gutes Sozialklima an der Schule. Umgangsregeln sollten formuliert und fixiert werden. Unterschiedliche Lebensstile und kulturelle Zugehörigkeiten sollten ihre Ausdrucksmöglichkeit und ihren Platz im Schulleben (und Schulgelände) finden (z.B. Begehen aller religiösen Feiertage). Von besonderer Bedeutung ist die Berücksichti- gung sprachlicher Vielfalt und die Förderung von Sprachkompetenz. Für die Bearbeitung auftretender Konflikte sollte ein Instrumen­tarium zur Verfügung stehen (vgl. Kap. 3.2). Interkulturelles Lernen, das nicht nur auf individuelle Einstellungen und Verhaltensweisen abzielt, sondern auch strukturelle Dimensionen von Fremdenfeindlichkeit verdeutlichen will, ist auch auf die Vermittlung von Wissen angewiesen (Glaser/Rieker 2006, S. 108). Lehrkräfte sollten sich selbst über ihren kulturellen Hintergrund und die damit verbundenen Grundannahmen, Werte und Normen im Klaren sein.

Kultur verstehen

  • Zentrale Elemente und die innere Logik der eigenen Kultur und von fremden Kulturen zum Thema machen, Vorurteile und Stereotype bewusst machen und hinterfragen (M1-M6).
  • Abwertungen und Diskriminierungen aufgrund kultureller Zugehörigkeit begegnen. Das Andere bei sich und in sich sehen und kennen lernen (M7-M10).
  • Interkulturelle Kommunikation fördern, Umgang mit dem Anderen. Werden neue Wahrnehmungen zugelassen und ein Perspek­tivenwechsel ermöglicht? (M11)
  • Kulturelle Vielfalt und interkulturelles Lernen als zentrales Anliegen und Lernfeld begreifen.

Erscheinungsbild Die Multikulturalität sollte auch in der Selbstdarstellung der Schule, in ihren Broschüren, öffentlichen Veranstaltungen und im äußeren Erscheinungsbild zum Ausdruck gebracht werden. Prospekte, Ankündigungen etc. können in den Sprachen der jeweils größten Minderheiten gedruckt werden. Eine multikulturelle Profilierung der Schule und Kontakte mit Einrichtungen oder Vertretern der Einwanderer-Community können die oft registrierten Zugangsbarrieren von Migranteneltern abbauen. Oft wird beklagt, dass von diesen Eltern die üblichen Angebote der Beratung und Mitwirkung nicht angenommen werden. Hausbesuche sind hier hilfreich.
Georg Auernheimer: Unser Bildungssystem und unsere Schulen auf dem Prüfstand. Systemdefizite und Schulqualität unter dem Aspekt interkultureller Bildung. o.J. www.georg-auernheimer.de/ dateien/downloads.htm

Interkulturelles Lernen durch Kunst

  • Kunst ist nicht durch Sprache begrenzt und deshalb Kindern und Jugendlichen aus differenten Kulturen zugänglich.
  • Kunst stellt eine wichtige Möglichkeit dar, Kindern und Jugendlichen ihr kulturelles Erbe zu vermitteln.
  • Im Kunstunterricht kommt es darauf an, etwas von dem Reichtum und der Unterschiedlichkeit der Kulturen zu erfahren.
  • Kunst macht es möglich, die Vorstellungen von der Unterlegenheit oder überlegenheit der eigenen Kultur über andere zu bearbeiten und zu zeigen, wie Kulturen voneinander abhängen und sich gegenseitig beeinflussen und befruchten.
  • Kunst bringt kulturellen Wandel zum Ausdruck.
  • Kunst eignet sich dazu, Fragen der Gleichwertigkeit der Kulturen zu bearbeiten.
Christoph Wulf: Anthropologie kultureller Vielfalt. Interkulturelle Bildung in Zeiten der Globalisierung. Bielefeld 2006, S. 52 f.

Migrantenkinder fördern und unterstützen

Integrationsfördernd wirken sich ein guter, differenzierter Unterricht und spezifische (insbesondere auf Sprachen bezogene) Förderung von Migrantenkindern aus. Die Beteiligung der Eltern scheint dabei besonders wichtig, obwohl dies den meisten Lehr­kräften besonders schwer fällt (M16).

Affektive Anteile So trivial es ist, es muss doch immer wieder betont werden, in welchem Maße affektive und unbewusste Anteile in die Begegnung mit dem Fremden eingehen. Projektionen, Gegenübertragungen, die Faszination des Exotischen und Xenophobie sind überwiegend unbewusste Vorgänge, die das Verhältnis zum Fremden immer wieder prägen.
Paul Mog (Hrsg.): Die Deutschen in ihrer Welt. Tübinger Modell einer integrativen Landeskunde. Berlin 1992, S. 22.

Vom interkulturellen zum globalen Lernen

Kulturelle Vielfalt anerkennen, Toleranz leben und sich gegen Rassismus positionieren sind für die gesamte Schule wichtig (M17-19). Interkulturelles Lernen ist auch Befähigung zum interkulturellen Dialog. Internationale Schulpartnerschaften, d. h. längerfristige Kontakte zwischen Schulen, die Schüleraustausch betreiben sind dabei wichtige Schritte zu einem Globalen Lernen, das die Herausforderungen und Auswirkungen der Globalisierung bewußt aufgreift. Globales Lernen eröffnet eine globale Weltsicht und entfaltet die Wechselwirkungen zwischen lokaler Lebenswelt und globalen Zusammenhängen (vgl. Venro 2000).

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