Rechtsextremismus

Rechtsextreme Mileus

Rechtsextreme Milieus üben ihre Attraktivität hauptsächlich über diverse Aktivitäten, Engagementangebote und die Möglichkeit der Identifikation aus. Die Aktivitäten reichen von geselligen Abenden am Lagerfeuer über Konzerte bis zu politischen Aktionen (vgl. zum Folgenden: Held 2007, S. 27 ff.). So wird die für kleine Ortschaften typische Langeweile bekämpft, es bieten sich informelle Kontaktmöglichkeiten und es werden Zugehörigkeitsgefühle intensiviert. Das Engagement für das eigene Gemeinwesen, die Region oder das Land spielt bei der Zuwendung zu rechten Milieus eine erhebliche Rolle wobei dieses Engagement stets mit der Hoffnung eines persönlichen Gewinns verbunden ist.

Rechtsextreme Milieus bieten vielfältige Möglichkeiten der Identifikation, wie z.B. die vermeintliche überlegenheit der eigenen Kultur und Gesellschaft oder die Ziele rechtsextremer Politik, die so formuliert sind, dass sie scheinbar Lösungen für gesellschaftliche Probleme und Krisen liefern. Hinzu kommen Identifikationsangebote mit charismatischen Führern, die Orientierung bieten.

Musik als Einstieg Auf nationaler Ebene in Deutschland sind es heute vor allem die vielen Bands, denen es mit ihrer modernen Verpackung gelingt, rechte Ideologie zeitgemäß in die Köpfe vieler Jugendlicher zu transportieren. über Umweltschutz, Sozialthemen, Globalisierungskritik und Vegetarismus wird die Schneise in aktuelle Zeitfragen geschlagen, um dann die vermeintlichen Antworten mit völkischen, antiamerikanischen und antisemitischen Klischees aufzuladen.
Rainer Fromm: „We play NS Hardcore“. Neue Tendenzen am rechten Rand – zwischen Protest und Extremismus. In: BPJM-Aktuell, 1/2008, S. 21.

  • Musikszene: In fast allen Jugendkulturen stellt Musik für Jugendliche den häufigsten Beweggrund für die Hinwendung zu einer Szene dar. Aus diesem Grund spielt sie als Medium eine bedeutende Rolle in rechtsextremen Milieus. Sie ist das wichtigste Instrument für die Kontaktaufnahme der Rechtsextremen mit unpolitischen Jugendlichen und trägt so entscheidend zur Entstehung und Verfestigung neuer rechtsextremer Gruppen bei. Dies geschieht hauptsächlich im Rahmen von Konzerten, die aufgrund ihrer stark emotionalen Stimmungen hohe Identifikationsmöglichkeiten fördern und ein Gemeinschaftsgefühl ermöglichen. Konzerte sind auch Anlass für unmittelbare Kontaktaufnahme, Informationsaustausch und Netzwerkbildungen, die regionale und überregionale Milieus stärken.
  • Parteien: Gegenwärtig ist von den als rechtsextrem eingestuften Parteien nur die NPD auffällig aktiv. Die Parteien stellen im rechtsextremen Milieu den legalen Arm der Bewegung dar, die Politik im institutionellen Rahmen ermöglicht, und so Zugang zu wichtigen Ressourcen wie öffentliche Gelder und Medien verschafft und des Weiteren den Schein einer politischen Respektabilität zu produzieren versucht. So waren 2008 die NPD in den Landesparlamenten von Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern mit acht bzw. sechs Abgeordneten und die DVU im Landtag von Brandenburg mit sechs Abgeordneten vertreten.
  • Freie Kameradschaften: Die legale Grundlage der Parteien schließt automatisch Aktivitäten jenseits der roten Linie aus, dagegen sind die freien Kameradschaften als lose Zusammenschlüsse nicht an juristische Bedingungen gebunden. So können illegale Aktivitäten zwar Strafverfolgungen für einzelne Akteure auslösen, die Organisation selbst aber nicht gefährden. Diese Organisationsform wird in vielen rechtsextremen Milieus wegen ihrer Flexibilität bevorzugt.
  • Internet: Rechtsextremisten nutzen seit Jahren das Internet, um andere Personen relativ unkompliziert mit rechtsextremistischem Gedankengut in Berührung zu bringen. Dabei spielt jugendliche Faszination für vermeintlich Verbotenes eine nicht unerhebliche Rolle (Bundesministerium des Innern 2008, S. 53).

Der neue Rechtsextremismus
Rechtsextremisten verstecken sich längst nicht mehr, sie kämpfen offen um die Macht in den Städten. Diesen Kampf führen die neuen Nazis besonders in den strukturschwachen Regionen Ostdeutschlands. In Fußballvereinen, Feuerwehren und auf Schulhöfen sind die neuen Nazis aktiv. Sie füllen heute gezielt Versorgungslücken, die der Staat vernachlässigt, bieten Schülern Nachhilfe oder Hartz-IV-Empfängern Unterstützung im Zwist mit den Behörden. Dabei arbeiten gewaltbereite „Freie Kameradschaften“, die aus der Skinhead-Bewegung stammen, offen mit der NPD zusammen. Die NPD kämpft um die Parlamente, die „Freien Kameradschaften“ streiten um die Straße.

Die neuen Nazis haben einen auffälligen Imagewechsel vollzogen: Alkohol ist auf Demonstrationen neuerdings verpönt, der martialische Look aus Springerstiefeln, Glatze und Bomberjacke wurde durch unauffällige Kleidung der Modemarke Thor Steinar, die subtil mit völkischer Symbolik spielt, ersetzt. Vor kurzem hetzte die NPD noch gegen Sozialschmarotzer und faule Arbeitslose, nun engagiert sie sich gegen die Globalisierung und für soziale Rechte. Den Neonazis ist es so gelungen, dass der Rechtsextremismus heute an vielen Orten im Osten Deutschlands als akzeptierte Position unter anderen begriffen wird. Das macht ihn alles andere als ungefährlicher.

Alexander Jürgs: Auf dem Marsch in die Mitte. Frankfurter Rundschau, 19.2.2008, S. 11, Auszüge.

Wie sollte die Gesellschaft mit den Modelabels der Rechtsextremen umgehen? Man kann natürlich jeden Thor-Steinar-Träger öffentlich stigmatisieren, das ist aber nur eine kurzfristige Form des Sich-Gut-Fühlens. Proteste wie Mahnwachen vor Läden können punktuell etwas bringen, aber man muss sich langfristig schon mit dem Träger als Mensch und seinen Motiven auseinander setzen, fragen, warum er sich das umhängt und sagen, warum man es falsch findet.
Bernd Wagner, Leiter des Zentrums Demokratische Kultur. In: Frankfurter Rund­schau, 20.5.2008, S. 9.

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